Von Katja Lippmann-Wagner - Freie Presse Aue-Schwarzenberg
Die 16-jährige Skispringerin Franziska Schubert aus Pöhla hatte am Mittwochabend ein Heimspiel. Denn über "ihre" Pöhlbachschanze ging ein internationaler Wettkampf.
Die Organisatoren vom SV Fortuna hatten zwar im Vorfeld einen Dämpfer bekommen, weil Pöhla aufgrund der vergleichsweise kleinen Schanze keine Continental-Cup-Station mehr ist. Doch niemand steckte den Kopf in den Sand. Vielmehr bereiteten die Fortunen engagiert ein hochkarätiges internationales Damenspringen vor.
Und bei jenem startete eben auch Lokalmatadorin Franziska Schubert. So richtig genießen konnte sie das indes nicht. Die Anspannung war ihr selbst nach dem zweiten Durchgang noch anzumerken. "Das ist schon komisch, im Auslauf stehen so viele Freunde und Verwandte", sagte sie eher schüchtern. Auch dass ihr die Herzen der 600 Zuschauer regelrecht zuflogen und der Beifall bei ihren Sprüngen besonders groß war, nahm die Athletin kaum wahr. "Wenn ich oben auf dem Balken sitze, schalte ich vollständig ab, bin hoch konzentriert", so Schubert. Doch nach der Landung hatte sie viel zu tun, schrieb fleißig Autogramme.
Unter den begeisterten Skisprunganhängern war auch der Bürgermeister von Bischofsgrün, Stephan Unglaub: "Wir Kleinen müssen einfach zusammenhalten." Ihm ist durchaus klar, dass eines Tages auch sein Ort aus dem Continental-Cup-Wettbewerb gestrichen werden könnte. "Hier in Pöhla wurde der Cup aus der Taufe gehoben. Das Erzgebirge war Geburtshelfer, deshalb darf der Ort diesen internationalen Wettkampf nicht verlieren", erklärte Unglaub und ergänzte: "Pöhla ist ein hoch qualifizierter Partner. Gern haben wir mit Oberwiesenthal die deutsche Sommertournee der Damen ins Leben gerufen." In deren separate Gesamtwertung fließen je zwei Wettkämpfe in Bischofsgrün und Oberwiesenthal sowie das Springen in Pöhla ein.
Schwarzenbergs Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer jedenfalls findet, dass der Wert der Veranstaltung durch den Verlust des Cup-Status' keineswegs gemindert wurde. Mit Sylvia Hauber und Christian Schreyer bereicherten zwei Mitarbeiter aus ihrem Haus zudem das Organisationskomitee. "Finanziert wird das Ganze aus Sponsorengeldern, den Einnahmen aus Eintritt und Versorgung sowie einem Zuschuss der Stadt", erläuterte Hauber.
Die strengen Regularien des internationalen Skiverbands gelten natürlich auch in Pöhla. Dazu gehören die bauliche Zulassung der Schanzenanlage, die Auszahlung von Preisgeld und die Organisation von Übernachtungsmöglichkeiten. Die viertplatzierte Melanie Faist aus Baiersbronn jedenfalls ist sehr gern in Pöhla: "So viele begeisterte Zuschauer - das macht einfach Spaß."